Klassisches Mildes Sauerkraut: Das beste Rezept ohne Säure
Stell dir vor, du sitzt an einem gedeckten Tisch und vor dir dampft eine Schüssel Sauerkraut, die nicht stechend in der Nase beißt, sondern herrlich sanft und fruchtig duftet. Viele von uns haben dieses eine Kindheitstrauma von Sauerkraut, das so sauer war, dass sich alles im Mund zusammengezogen hat.
Damit ist jetzt Schluss. Ich habe über die Jahre gelernt, dass Sauerkraut kein Endgegner für die Geschmacksnerven sein muss, wenn man zwei kleine Kniffe beherrscht. Mit einem Apfel und einem kurzen Kaltwasserbad verwandelst du das Kraut in eine Beilage, die sogar Kinder gerne essen.
Dieses Rezept ist mein absoluter Favorit, wenn es draußen ungemütlich wird und man etwas Seelenfutter braucht. Es ist leicht, bekömmlich und hat genau die richtige Balance zwischen herzhaft und süß.
Warum dieses Rezept für mildes Sauerkraut überzeugt
Das Hauptproblem bei gekauftem Sauerkraut ist oft die aggressive Milchsäure, die bei der Fermentation entsteht. Wenn das Kraut dann noch zu lange im eigenen Saft lagert, entwickelt es diesen typischen, fast metallischen Beigeschmack, den viele ablehnen.
Durch das kurze Abspülen nehmen wir dem Kraut die erste, harte Säurespitze. Der geriebene Apfel und eine Prise Zucker fangen den Rest der Säure auf und binden die Flüssigkeit im Topf ganz natürlich ab.
So erhältst du ein Ergebnis, das zwar noch den Charakter des Kohls behält, aber auf der Zunge wunderbar weich und harmonisch wirkt. Es ist die perfekte Methode für alle, die den gesunden Kohl lieben, aber die extreme Säure hassen.
Zutaten für das perfekte milde Kraut
Für vier Portionen benötigst du nur eine Handvoll guter Zutaten. Achte beim Einkauf besonders auf die Qualität des Krauts.
- 500g frisches Sauerkraut (am besten aus dem Reformhaus oder vom Metzger)
- 1 mittelgroße Zwiebel
- 1 säuerlicher Apfel (die Sorte Boskoop ist hier unschlagbar, da sie beim Kochen leicht zerfällt)
- 2 Esslöffel Butterschmalz oder ein hochwertiges Pflanzenöl
- 250ml kräftige Gemüsebrühe
- 1 Lorbeerblatt
- 3 Wacholderbeeren (leicht angedrückt)
- 1 Teelöffel Zucker
- Salz und schwarzer Pfeffer aus der Mühle
Schritt-für-Schritt-Anleitung: So gelingt die Zubereitung
1. Der Geheimtrick: Sauerkraut richtig vorbereiten
Nimm das Sauerkraut aus der Verpackung und gib es in ein feines Küchensieb. Lass kurz kaltes Wasser darüberlaufen und lockere das Kraut dabei mit den Fingern etwas auf.
Keine Sorge, du wäschst nicht den ganzen Geschmack weg. Du entfernst lediglich die überschüssige, stechende Säure. Drück das Kraut danach mit den Händen gut aus, damit es im Topf später wieder Flüssigkeit aufnehmen kann.
2. Zwiebeln und Apfel: Die Basis für das Aroma
Schneide die Zwiebel in sehr feine Würfel, damit sie später im Kraut fast verschwinden. Den Apfel schälst du und reibst ihn auf einer groben Küchenreibe direkt in eine Schüssel.
Der geriebene Apfel ist entscheidend. Er liefert nicht nur die nötige Süße, sondern das enthaltene Pektin sorgt für eine leichte Bindung, sodass das Kraut auf dem Teller nicht im Wasser schwimmt.
3. Anschwitzen und Karamellisieren
Erhitze das Butterschmalz in einem weiten Topf. Dünste die Zwiebelwürfel darin glasig an, ohne dass sie zu viel Farbe annehmen. Jetzt streust du den Zucker darüber.
Lass den Zucker ganz kurz schmelzen, bis er hellgelb karamellisiert. Das gibt dem Gericht eine tiefe, goldene Farbe und eine feine Röstnote, die hervorragend mit dem Kohl harmoniert.
4. Sanftes Schmoren für maximale Milde
Gib nun das Sauerkraut und den Apfel in den Topf und dünste alles unter Rühren etwa fünf Minuten mit an. Lösche das Ganze mit der Gemüsebrühe ab und füge Lorbeer und Wacholder hinzu.
Lass das Kraut bei geschlossenem Deckel und kleiner Hitze für 35 bis 40 Minuten sanft köcheln. Durch das langsame Schmoren verbinden sich die Aromen und das Kraut wird butterweich, behält aber noch Struktur.
Tipps für die perfekte Beilage
Dieses milde Sauerkraut ist ein echter Allrounder in der Küche. Es passt hervorragend zu einem cremigen Kartoffelstampf mit viel Muskatnuss oder zu klassischen Schupfnudeln, die du kurz in der Pfanne anbräunst.
Wer es vegetarisch mag, serviert das Kraut zu gebratenen Serviettenknödeln. Durch die milde Note überdeckt es andere Komponenten auf dem Teller nicht, sondern ergänzt sie dezent und elegant.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ich auch Sauerkraut aus der Dose mild zubereiten?
Ja, das funktioniert absolut problemlos. Auch Dosenkraut profitiert enorm vom Abspülen unter kaltem Wasser. Da Dosenware oft schon sehr weich ist, kannst du die Kochzeit um etwa 10 Minuten verkürzen, damit es nicht zu matschig wird. Der Apfel und der Zucker sind hier besonders wichtig, um den oft etwas blechernen Beigeschmack der Konserve zu neutralisieren.
Wie bewahre ich Reste am besten auf?
Sauerkraut ist eines der wenigen Gerichte, die aufgewärmt tatsächlich noch besser schmecken. Du kannst die Reste in einer luftdichten Dose für bis zu drei Tage im Kühlschrank aufbewahren. Beim Aufwärmen im Topf solltest du eventuell einen kleinen Schluck Wasser oder Brühe hinzufügen, damit nichts ansetzt. Auch zum Einfrieren ist dieses Rezept ideal geeignet, es hält sich im Tiefkühler etwa drei Monate.
Warum sollte ich die Wacholderbeeren andrücken?
In den Wacholderbeeren stecken ätherische Öle, die für das typische Waldaroma verantwortlich sind. Wenn du sie mit der flachen Seite eines Messers ganz leicht zerdrückst, bevor du sie in den Topf gibst, können diese Öle viel besser in die Flüssigkeit übergehen. Aber Vorsicht: Nicht komplett zerquetschen, sonst hast du später kleine Schalenstücke im Essen, die sehr intensiv schmecken.
Welche Apfelsorte eignet sich am besten?
Ich empfehle immer den Boskoop, weil er einen hohen Säureanteil hat, der beim Kochen wunderbar mit dem Zucker harmoniert. Zudem zerfällt er beim Schmoren fast vollständig und bildet eine natürliche Sauce. Falls du keinen Boskoop findest, ist ein Elstar oder ein Braeburn eine gute Alternative. Vermeide sehr süße Sorten wie Golden Delicious, da diese dem Kraut nicht genug Charakter verleihen.
Klassisches Mildes Sauerkraut
Gang: BeilageKüche: Deutsche KücheSchwierigkeit: easy4
Portionen10
Minuten45
Minuten55
Minuten85
kcalDeutsche Küche
Zutaten
500g frisches Sauerkraut
1 mittelgroße Zwiebel
1 Apfel (säuerlich, z.B. Boskoop)
2 Esslöffel Butterschmalz oder Pflanzenöl
250ml Gemüsebrühe
1 Lorbeerblatt
3 Wacholderbeeren
1 Teelöffel Zucker
Salz und schwarzer Pfeffer nach Geschmack
Zubereitung
- Der wichtigste Schritt für die Milde: Geben Sie das Sauerkraut in ein feines Sieb und spülen Sie es kurz unter kaltem Wasser ab. Drücken Sie es anschließend gut aus. Dies entfernt die überschüssige, stechende Milchsäure, ohne das Aroma zu zerstören.
- Schneiden Sie die Zwiebel in feine Würfel und reiben Sie den Apfel grob. Der Apfel liefert natürliche Süße und Pektin, was die Textur verbessert und die Säure perfekt ausbalanciert.
- Erhitzen Sie das Fett in einem Topf und dünsten Sie die Zwiebeln darin glasig an. Geben Sie den Zucker hinzu und lassen Sie ihn ganz leicht karamellisieren.
- Fügen Sie das Sauerkraut und den geriebenen Apfel hinzu. Dünsten Sie alles unter Rühren für etwa 5 Minuten an, damit sich die Röstaromen entfalten können.
- Gießen Sie die Gemüsebrühe auf und geben Sie Lorbeerblatt sowie Wacholderbeeren hinzu. Decken Sie den Topf ab und lassen Sie das Kraut bei geringer Hitze ca. 35 bis 40 Minuten sanft schmoren.
- Schmecken Sie das Kraut am Ende mit Salz und Pfeffer ab. Durch das vorherige Abspülen und die Zugabe von Apfel und Zucker erhalten Sie ein mildes, aromatisches Sauerkraut, das garantiert jedem schmeckt.
Anmerkungen
- Das Abspülen des Krauts ist der entscheidende Schritt für die Milde. Der geriebene Apfel sorgt für eine natürliche Bindung und Süße.









